Wie es der Zufall wollte, brachte an einem Donnerstag Nachmittag nach unserer Zeitrechnung das Wunder Leben eine Kreatur, an die sich spätere Lebensformen noch mit Stirn-(?)runzeln noch erinnern werden, hervor, die sich selbst an oberste Stelle aller Lebewesen (die so genannt wurden, weil sie die Fähigkeit zum Stoffwechsel und der Fortpflanzung- einen Code, ein paar Anweisungen, eine lange Formel- hatten, die sie befolgen mussten, um als solche zu gelten) stellte und sich alle anderen untertan machte. Als das nicht genug war, unterwarf diese rücksichtslose Lebensform noch die Botanik (die wiederum dem Tierreich alles was dieses brauchte, lieferte- jedoch nach einem strengen System, das auch als “Kreislauf des Lebens” bezeichnet wurde- wieder nur eine Ausrede um sich Privilegien zu erfinden), beutete nach und nach die gesamte Natur wo man nur konnte aus, und weils nachher so schön langweilig war droschen sie sich gegenseitig die Köpfe ein. Nun, wie oben beschrieben, jedes Tier befolgte einen streng linearen Pfad- die “Lebensweise”- die artcharakteristisch für jedes Tier ist und war. Da gab es noch diese Kreatur, die sich selbst “Mensch” taufte: Einige von diesen stellten diese Thesen auf- doch hätten diese niemals auch auf sich selbst bezogen.
Nun, unter den Menschenleben traten dennoch viele Analogien auf. Auch in der Menschheitsgeschichte: Ich sage euch, dieses Volk hat nichts aus seinen “Fehlern” gelernt -und auch durch diese Fähigkeit, über das ganze Leben lang lernen zu können, deklarierten sie sich als der Schöpfung Lieblinge. Nun, wenn wir auf ihre Geschichte zurückgehen, widerspricht sich das vollkommen: Da sehen wir die sich immer wiederholenden Ereignisse, die tierischen Analogien. Kriege, Diktaturen- immer und immer wieder.
Eines Tages wurde diese Analogie gestört. Ein Mensch warf alles zuvor dagewesene über den Haufen… Ja, es gibt viele solcher Ereignisse und viele solcher Menschen, für die ein Normalsterblicher alles geben würde, einmal wie diese zu sein. Was in meinen Augen von höchstem Egoismus anmutet- nimmt man sich die Umstände des Genies zur Kenntnis- an diesem Übermenschen auch feststellbar. Nun, wie auch immer, gegen Ende des unwillkürlich angenommenen Zeitabschnitts, das Jahr 1770, kam dieses Individuum- wie wir sagen- zur Welt, nebst tausend anderen. Es handelte sich um einen Menschen männlichen Geschlechts, Sohn von zweien vom Schicksal sehr geplagten Eltern, die glücklich waren, endlich ein gesundes Kind zur Welt gebracht zu haben, die keine Mühen oder Kosten scheuten um aus ihrem Sohn- wie man heute sagt- “etwas zu machen.” Er wurde in den musischen Künsten ausgebildet, jeden Tag spielte er Stunden über Stunden Klavier, die Schule wurde zu Nebensache, oft spielte Freunden vom stolzen Vater bis in die Nacht etwas vor.
Vielleicht ist es nicht so erwähnenswert, weil es ein typisches Kennzeichen des menschlichen Lebens ist, und jeder mit solchen Ereignissen zu hadern hatte, doch um eben auf solches zurückzukommen, will ich noch erinnern dass dieser Mensch schon damals mit vielen und verschiedensten Problemen zu kämpfen hatte, die Mittelohrentzündung, die unbehandelt blieb, sticht hier wohl am ehesten ins Auge.
Wo war ich ? Schreiben ist anstrengend. Und befreiend. Freiheit ist anstrengend.
Gut, unser Musikant wird ein paar Jährchen nicht mehr als solcher abgetan, sondern wird schon von so manchem als talentierter Komponist bezeichnet (auch wenn man, angesicht dessen Talentes es ein wenig gedauert hat). Vielleicht stimmt das auch nicht ganz, denn sein Stil entsprach definitiv nicht dem seiner Zeitgenossen bzw. dem was bisher da gewesen war. Impressionen wurde noch nie so genial wiedergegeben wie in seinen Werken- von Hass, Trauer, Sehnsucht, Leid- er hat es geschafft, DIE menschlichen Gefühle schlechthin in seine Musik einzubinden (dazu bedenke man auch die eigenwilligen Klaviersonaten: Im schnitt gute 30 Seite reiner virtuosen Kunst).
Und wie schon gesagt, sowas kann nicht jeder Komponist. Denn nicht jeder hat einen Lebensweg beschritten, der seinem auch nur im entferntestem ähnelte. Niemand hat sich aus dem tiefstem menschlichem Abgrund, als er am Boden zerstört war, sich in Musik befreit. Was hätte denn einer , der einsam, von Familie und Freunde verlassen, in einer kleinen Wiener Wohnung, ohne Möbel, Heizung, Wasser, vor dem einzigen Fenster kauert, getan? Einer, der sich wochenlang nicht gewaschen hat, dessen Haare vollkommen zerzaust sind, der unerträglich nach Alkohol stinkt. Der als tauber Komponist nichts mehr schaffen kann, und dessen übrige Musik nur von wenigen gemocht wird, weil diese für solche noch nicht bereit sind. Der dadurch arm wie eine Kirchenmaus ist, und dessen Vermieterin für die ausstehende Miete schon an der Tür klopft. “So pochet das Schicksal an die Pforte”. Nun, was hätte einer an seiner Stelle getan?
Er jedenfalls, durch Lebenserfahrung, durch Talent, durch durchschimmern veranlasst, schrieb. Musizierte. Komponierte.
Sein Werk Nummer 67.
Seine Fünfte Symphonie.
Verfasst von purecolumns 
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